Barrierefreiheit vs. Inklusion

Die Forderung nach inklusiven Spielplätzen ist längst überfällig. Wir haben uns den Herausforderungen von der Planung bis zur Umsetzung gestellt und uns mit folgenden Fragen auseinander gesetzt. Was bedeutet barrierefrei und was behindertengerecht? Und wann ist ein Spielplatz inklusiv? Einige der bestehenden Spielplätze in Deutschland sind teil-barrierefrei, noch weniger sind barrierefrei und selten inklusiv.

Inklusiv bedeutet, nicht nur die Wege auf dem Spielplatz zu benutzen, sondern auch am Spiel teilhaben zu können. Der Spielplatz ist komplett zugänglich. Der Spielplatz ermöglicht Allen die Teilnahme an sozialem Spiel, an Kommunikation und Spaß. Ein inklusiver Spielplatz stigmatisiert nicht durch typische Behindertenspielgeräte, sondern bietet allen die gleichen Chancen auf Erkundung und Erfolg, unabhängig von Nationalität, Kultur, Alter, Geschlecht und persönlichen Fähigkeiten.

Inklusion bedeutet, dass JEDER Mensch dabei sein und eigene aktive Erfahrungen machen kann.

Auf der Suche nach Herausforderungen erlebt der Mensch durch eigene aktive Erfahrungen Erfolgsgefühle und gewinnt motiviert neue Fähigkeiten.

Gesetze und Normen

Was inklusive Spielräume ausmachen und welche Richtlinien es gibt, ist Thema des Arbeitskreises Inklusion des Normungsausschusses Spielplatzgeräte (NA 112-07-01 AA).
Aber
es ist unser Herzensprojekt!

Gemäß dem Behinderten-Gleichstellungsgesetz (BGG) §4 gelten Anlagen, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände als barrierefrei, wenn sie in allgemein üblicher Weise ohne besondere Erschwernisse und grundsätzlich ohne fremde Hilfe nutzbar sind.

"Das Leitbild der UN-Behindertenrechtskonvention von 2009 ist „Inklusion“. [...] Es geht darum, dass sich unsere Gesellschaft öffnet, dass Vielfalt unser selbstverständliches Leitbild wird. Es geht um eine tolerante Gesellschaft, in der alle mit ihren jeweiligen Fähigkeiten und Voraussetzungen wertvoll sind." Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Richtlinien für barrierefreie Spielplatzgeräte sind in der DIN 33942 aufgeführt.

Unbeschwerte Spielerlebnisse sind für die kindliche Entwicklung unverzichtbar. Fast alle Kinder möchten klettern, schaukeln, rutschen, wippen und gestalten. Kinder suchen Herausforderungen und Nervenkitzel – in jeder Entwicklungsstufe und entsprechend ihrer individuellen Fähig- oder Fertigkeiten. Die DIN 18034 „Spielplätze und Freiräume zum Spielen“ gibt vor, wie dieses kindliche Grundbedürfnis in der Spielplatzplanung umgesetzt werden kann.

Spielplätze sollen alle Sinne ansprechen: Ästhetische Spielgeräte, die mit dem Ort harmonieren und Bäume, Gehölze und Stauden für Optik, das Fühlen und den Geruchssinn. Klangvolle Geräte fördern den Gehörsinn. Je abwechslungsreicher, desto besser, damit Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit ihren individuellen Fähig- und Fertigkeiten auf andere Geräte ausweichen können.

Ein Spielplatz mit verschiedenen Zonen und durchdachter Anordnung der Spielplatzgeräte bietet sowohl integrative (unterschiedliche Kulturen zusammenführen) als auch inklusive Aspekte. Gibt es Beobachtungsmöglichkeiten aus "sicherer Entfernung"? Bietet der Platz Rückzugsorte? Eine Beschilderung und eigene Website für den Spielplatz ist zeitgemäß, sinnvoll und hilfreich.

Gummiböden sind nicht nur für Rollstuhlfahrer und seh- oder gehbehinderte Menschen nutzbar: Kleinkinder befahren sie mit Dreirad, größere mit dem Fahrrad oder auf Inlinern. Sind diese Flächen dann auch noch farblich und plastisch gestaltet bieten sie Kindern weitere Anreize.
Eine dünne Deckschicht aus EPDM mit einer Unterschicht aus expandiertem thermoplastischem Polyurethan - E-TPU, scheint momentan das "ökologischte Kunststoffprodukt" für barrierefreie Fallschutzprodukte auf dem Markt zu sein. Die Unterschicht aus E-TPU ist laut Hersteller BASF frei von polycyclischen Kohlenwasserstoffen, die nebenbei kein Microplastik freisetzt und zu 100% wiederverwendbar ist.

Wichtig ist, grundsätzlich den umliegenden Ort bei der Planung zu betrachten. Ist ein barrierefreies WC in der Nähe? Gibt es ausreichend Schattenplätze? Gibt es Möglichkeiten der Verpflegung (Grillplatz, Kiosk oder Gastronomie)? Ist die Parkplatzsituation für die voraussichtliche Frequentierung ausreichend? Richtlinien enthält die DIN 18040-3.

Spielplätze mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen für unterschiedliche Entwicklungsstufen werden generationsübergreifend genutzt:
Ein gutes Beispiel ist das Balancieren: breite, eckige Holzbalken für die ganz Kleinen und jene, die motorisch eingeschränkt sind mit Handlauf, Rundbalken für etwas Mutigere und Geübte, Seile oder Slacklines für „Profis“. Eine solche Abstufung bietet den Ansporn, sich Schritt für Schritt an die nächste Etappe heranzuwagen.

Spielplätze haben immer auch einen therapeutischen Nutzen: sie fördern das Zusammenspiel, den Umgang miteinander, die Menschen können sich spüren, wenn sie ihre Grenzen austesten und Schwindel im Karussell erfahren und damit den Gleichgewichtssinn trainieren. Das Karussell ist übrigens eins der besten Spielgeräte, auf denen sich die hyperaktiven Kinder und Jugendlichen bis zur Erschöpfung austoben können.

Ein Spielplatz muss allen Spielmöglichkeiten bieten, aber nicht jedes Spielgerät muss von allen nutzbar sein.